Dieses rare Möbelstück mit fünf Tafeln im Noord-Holland-Stil weist eine reichhaltige Sammlung sachkundiger Schnitzereien auf. Die Seitenbretter der Truhe, die zu Füßen verlängert wurden, sind mit Kannelierungen versehen, die unten eine Intarsie mit Ebenholz haben und auf halber Höhe mit einem Tropfen versehen sind. Die fünf vorderen Tafeln mit stilisierten Blätter- und Knospenmotiven, werden von senkrechten Brettern aus gekerbtem Flechtband, auch ‚abgezähltes Geld‘ genannt, unterbrochen. Über- und unterhalb der fünf Tafeln befindet sich ein breites Band mit einem Motiv aus geflochtenen Rosetten. Diese Bänder werden beidseitig der Truhe fortgesetzt, wo sie die mittlere Brett zwischen den beiden Tafeln mit gekerbtem Honigwabenmotiv, unterbricht. Die Truhe hat unten eine Fußleistenüberkragung. Der Deckel ist unten an der Kante ebenfalls mit einem Honigwabenmotiv versehen. Im Inneren, das sich mit einem Schloss verschließen lässt, kann links ein Tresor platziert werden.
Die Renaissance-Truhe ist der unmittelbare Vorgänger des Schranks, wobei die Truhe zunächst auf ein Gestell gestellt wurde und aus der Vorderseite eine Tür wurde, was letztendlich zu niederländischen Renaissance-Schränken mit ihren typischen Fächern, Türen und aufwendigen Holzschnitzereien, führte. Dieser Umstieg von einer einfachen Truhe auf einen Schrank widerspiegelte den sich ändernden Bedarf mit Bezug auf Stauraum und Status, wobei sich die Truhe von einem mobilen Gegenstand zu einem wesentlichen Bestandteil der Inneneinrichtung entwickelte. Die meisten Truhen des siebzehnten Jahrhunderts waren schlicht und dienten ausschließlich dazu, Stauraum zu verhüllen. Ein ausgiebig geschmücktes Exemplar wie die hier beschriebene Truhe war für das Wohnzimmer vorgesehen und konnte als Statussymbol mit zweitrangiger Funktion betrachtet werden. Eine solche Truhe ist sehr rar und dürfte im siebzehnten Jahrhundert ausschließlich in Haushalten der gehobenen Gesellschaft benutzt worden sein.
Literatur:
Loek van Aalst en Annigje Hofstede, Noord-Nederlandse meubelen, van renaissance tot vroege barok 1550-1670, 2011, p. 299-340
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