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Michiel van Musscher (1645-1705)



Michiel van Musscher (1645-1705)

Ein Mann sieht uns an. Er trägt eine bestickte Jacke mit Blumenmotiven, die mit Spitze und einem Spitzenschal abgesetzt ist. Eine rote Draperie hängt um seine Schultern und über seinem Arm. Dieses Porträt ist ein typisches Beispiel für ein Gemälde aus den erfolgreichen Jahren von Michiel van Musscher.

Van Musscher wurde in einer Mennonitenfamilie in Rotterdam geboren. Laut Houbraken, dem Künstlerbiografen des 18. Jahrhunderts, zeigte van Musscher schon in sehr jungen Jahren künstlerisches Talent.  

Van Musscher war bei Martin Saagmolen, Abraham van den Tempel, Gabriël Metsu und Adriaen van Ostade in der Ausbildung. 1660 ließ er sich in Amsterdam nieder. Zu Beginn seiner Karriere widmete er sich vor allem der Genremalerei, allerdings ist die Genremalerei nicht sein Spezialgebiet geworden. Er entwickelte sich schon bald zu einem sehr beliebten Porträtmaler. Viele seiner Modelle stammten aus seiner Mennonitengemeinde. Außer seiner eigenen Familie malte van Musscher prominente Älteste der Mennonitengemeinde, beispielsweise Tobias van de Wijngaert und Galenus Abrahams. Porträtaufträge der Familien De Neufville und Rooleeuw machen deutlich, dass auch die mennonitische Handelselite ihren Weg in sein Atelier fand. Sein Kundenkreis umfasste zudem auch regierende Patrizierfamilien. Van Musscher profitierte sehr von der großen Lücke, die um 1670 auf dem Amsterdamer Markt für Porträts entstand, als Ferdinand Bol (1616 - 80) aufhörte zu malen und Bartholomeus van der Helst (1613 - 70) starb. Van Musschers größter Konkurrent, Nicolaes Maes (1634 - 93), kehrte erst 1673 aus Dordrecht nach Amsterdam zurück. Mehrere Mitglieder einflussreicher Amsterdamer Familien, wie die Bickers, Valckeniers und Van Loons, haben ihre Porträts von van Musscher malen lassen. Sein wichtigster Gönner in den höheren Kreisen der Gesellschaft war möglicherweise der „kunstliebende Mr. Jonas Witsen“. Das Porträt, das van Musscher von Witsen malte, wurde von Houbraken als „herausragend in der Malkunst“ beschrieben und übertraf alle anderen seiner Gemälde.

Die Nachfrage nach Porträts von Van Musscher war so groß, dass er sogar zum Fürstenadel gehörende Gönner anzog, unter anderem den friesischen Statthalter Heinrich Casimir II. und seine Frau sowie Johan Moritz von Nassau-Siegen. Zu seinen renommiertesten Aufträgen zählten Porträts des russischen Zaren Peters des Großen und von Mitgliedern aus dessen Gefolge während ihres Besuches der Niederländischen Republik im Jahr 1697.

Dieses Porträt eines bisher unbekannten Mannes entstand 1684, in einem für den Maler schweren Jahr. Seine erste Ehefrau Eva Visscher starb und ließ ihn mit zwei Kindern zurück, von denen eines innerhalb von zwei Monaten starb. Kurz nach diesen Schicksalsschlägen bekannte er sich zum Arminianismus. Trotz allem gelang es ihm, in dieser schweren Zeit mehrere Aufträge für Porträts fertigzustellen. Außer diesem Bild sind noch einige weitere Porträts aus dem Jahr 1684 bekannt.
Dieses Bild wurde vermutlich in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts in London versteigert. Leider ist keine Abbildung des damals versteigerten Gemäldes bekannt. Die Beschreibung lässt allerdings vermuten, dass es sich um das hier vorliegende Bild handelte:

„Portrait of a burgher, small three-quarter length, in embroidered brown coat with lace collar and cuffs, and dark red cloak, leaning on a plinth on a terrace signed and dated 1684 25 in by 21 in.“

Signiert: M. van Musscher pinxit Ao 1684

Literatur:
Nora. Schadee ed.  Rotterdamse Meesters uit de Gouden Eeuw.  Exh. cat. Historisch Museum Rotterdam.  Zwolle, 1994, 289–90.
Robert E. Gerhardt,  “The Van Musscher Family of Artists.”  Oud Holland 120, nos. 1–2 (2007) pp. 107–129.
Ruud Lambour,  “Het doopsgezinde milieu van Michiel Musscher (1645–1705) en van andere schilders in zeventiende-eeuws Amsterdam: een revisie en ontdekking.”  Oud Holland 125 (2012) pp.  193–214.
Tonko Grever, Robert E. Gerhardt e.a., Michiel van Musscher (1645-1705) De weelde van de gouden eeuw, tent.cat. Museum van Loon Amsterdam, 2012.
 
Provenienz:
Versteigerung der Sammlung von Marco J. Heidner, Christie’s London, 19. Mai 1967, Lot 67 an Bryant
Christie’s London, 9. Februar 1968, Lot 36 an Schreiber
Privatsammlung, Belgien


 
Michiel van Musscher (1645-1705)
Preis auf Anfrage
Epoche
1684
Material
Ölfarbe auf Tuch
Signatur
M. van Musscher pinxit Ao 1684
Abmessungen
65.5 x 55.5 cm

Weltweite Lieferung möglich


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