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Deutsche Renaissance Türmchenuhr mit Astrolabium



Deutsche Renaissance Türmchenuhr mit Astrolabium

Eine klassische, außergewöhnlich schön proportionierte deutsche Tischuhr (Türmchenuhr) mit Astrolabium, auf der vorderen Säule des Uhrenschlagwerks signiert: Johannes Benner Augsburg, hergestellt um 1640. Das feuervergoldete Kupfergehäuse dieser Uhr ist an allen Seiten reich mit Blumen- und Blattmotiven verziert. An den Ecken befinden sich glatte Pfeiler – mit schnörkellos gearbeiteten Kapitellen und Basen auf rechteckigen Sockeln –, die oben bekrönt werden von hervorragenden Pinakeln, auf ähnlichen, allerdings kleineren Sockeln auf der oberen Platte ruhend. Zwischen diesen Pinakeln befindet sich wunderschön durchbrochene gestaltete, gravierte Fretwork. Der Aufbau auf der oberen Platte umfasst zwei Etagen, beide bestehend aus eleganten, à jour gesägten, zylindrischen Glockengehäusen, das untere für die Uhrglocke. Auf drei Etagen sind Kränze aus Pinakeln zu sehen. Bekrönt wird das Gesamtgebilde von einer Kuppel, auf der die Figur eines römischen Soldaten mit Speer und Schild steht. Der quadratische, modellierte Sockel ist außergewöhnlich schön graviert und ziseliert und ruht auf vier kissenförmigen Füßen.
An der Vorderseite der Uhr ist rund um eine gravierte, silberne Unterplatte – eine Projektion des Firmaments – ein großer Zifferring mit römischen Ziffern (zweimal I-XII) und einem Astrolabium angebracht. Zudem gibt es drei gravierte, vergoldete Messingzeiger: einer mit einem Sonnenmotiv, ein zweiter mit einem Mondmotiv und ein dritter ohne jegliche Markierung, der mit dem Zeiger mit Sonnenmotiv verbunden ist. Außerdem befindet sich hinter diesen Zeigern ein gebläuter Stahlzeiger, ein sogenannter Drachenzeiger. Der erste Zeiger gibt die Zeit ab Sonnenaufgang an, während der Mondzeiger den Aufgang des Mondes anzeigt. Das Ganze vollführt in 19 Jahren eine komplette Drehung und ist eine Wiedergabe des Firmaments. So kann man beispielsweise gegen den gravierten Untergrund den Stand der Sonne im Tierkreiszeichen ablesen, aber auch die Bahn, die der Mond beschreibt. Wenn der Sonnen- oder der Mondzeiger mit dem Drachenzeiger zusammenfällt, liegt eine Sonnen- bzw. Mondfinsternis vor. Die Mitte des Zeigersystems ist mit einer Skala von 1 bis 29,5 versehen, auf der durch den Schwanz des Mondzeigers das Alter des Monats angegeben wird. In einer runden Aussparung im Mittelstück, in das ein Aspektarium eingraviert ist, wird die Mondphase angegeben. In den vier Ecken sind sekundäre Zifferringe angebracht: oben links für die Wahl zwischen Viertelstunden-Schlagwerk (4) und Stunden-Schlagwerk (12); oben rechts für die Reglage (1-8); unten links für die Anzeige des Sonntagsbuchstabens (der angibt, auf welchen Tag der 1. Januar fällt – z. B. A = Sonntag, B = Samstag etc. –, sodass das Datum des ersten Sonntags des Jahres bestimmt werden kann, und zwar auch in Schaltjahren) und unten rechts für die Zeitanzeige, in der sich auch die Weckerscheibe befindet.


Auf der Rückseite befindet sich ein Zifferring, auf dem die Zeit angezeigt wird. Von außen nach innen: ein Viertelstunden- und ein Minutenring, ein Datumsring, ein Stundenring mit römischen Ziffern (2 x I-XII), ein vergoldeter Stundenring mit arabischen Ziffern (1-24), ein breiter Ring für die Länge von Tag und Nacht und eine Weckerscheibe (1-24), alles innerhalb eines Halbjahreskalenders (mit der Anzeige des Heiligen des Tages), der umgedreht werden kann. An der linken Seite wird der Stand des Stundenschlagwerks angegeben (1-12), während auf der rechten der Stand des Viertelstunden-Schlagwerks abgelesen werden kann (1-4).
Das Uhrwerk mit einer Laufzeit von zwei Tagen ist zwischen Messingsäulen aufgebaut, wobei die Schlagwerkzüge quer angebracht sind. Es wird mit drei Federn in Messingfedertrommeln über eine Schnecke mit Kette angetrieben. Das Gehwerk ist mit Spindelhemmung und Waag ausgestattet. Das durch eine Schlossscheibe geregelte Uhrenschlagwerk gibt die vollen Stunden auf einer Glocke mit einem dunkleren Ton an, während das ebenfalls durch eine Schlossscheibe geregelte Viertelstunden-Schlagwerk die Viertelstunden auf einer Glocke mit einem helleren Ton angibt.
Außerdem ist die Uhr mit einer Weckfunktion ausgestattet. Unter dem vorderen Fretwork befindet sich ein kleines Knöpfchen, mit dem der Wecker an- und ausgestellt werden kann. Der Wecker wird in der Mitte des Rings mit den Sonntagsbuchstaben aufgezogen.

Der Uhrmacher
Johannes Benner war von ca. 1620 bis 1659 in Augsburg als Uhrmacher aktiv. Er war vermutlich der Sohn von Philipp Jakob Be(r)ner (P.I.B), der Sonnenuhren herstellte. In Russland befindet sich im Schloss Peterhof westlich von Sankt Petersburg das Studierzimmer von Peter dem Großen. In diesem Raum steht eine horizontale Tischuhr von Benner auf einem Tisch. Es sind auch andere von ihm gefertigte Uhren bekannt. Diese Uhr, die in Augsburg, dem Zentrum der Uhrmacherei in Deutschland, hergestellt wurde, weist alle Merkmale auf, die ein Meisterwerk haben muss, und es ist nicht undenkbar, dass Benner mit dieser Uhr als Meister zur Gilde zugelassen wurde.

Literatur:
Jürgen Abeler, Meister der Uhrmacherkunst, Wuppertal, 2010, blz. 58


 

Deutsche Renaissance Türmchenuhr mit Astrolabium
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1640
Material
Kupfer, Bronze, Eisen, vergoldet
Signatur
Johannes Benner Augsburg
Abmessungen
53 x 31 x 31 cm

Weltweite Lieferung möglich