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Französische Louis XV „Commode en tombeau“



Französische Louis XV „Commode en tombeau“

Eine sehr große Commode en tombeau mit vier Schubladen, über drei Ebenen verteilt, und komplett mit Veilchenholz furniert. Alle Seiten sind gewölbt. Abgedeckt ist die Kommode mit einer Platte aus „Brêche d’Alep“-Marmor mit einem profilierten Rand, die den Konturen der Kommode folgt. Die Kommode ist sehr reich mit feuervergoldeten Bronze-Beschlägen von äußerst hoher Qualität in puncto Ziselierung und Verarbeitung verziert. Die Chuten weisen ein ungewöhnliches und seltenes Design auf und haben die Form von Blumen speienden Maskarons. Die Sabots, aus Akanthusblättern geformt, sehen aus wie stilisierte Vogelköpfe. Der mittige zurückliegende Teil der untersten Schublade wird von zwei Bronzen in der Form von gespiegelten C-Motiven flankiert, sodass die Schublade unterbrochen zu sein scheint. Die Franzosen nennen das „à pont“, ein Ausdruck, der auf die scheinbare Brücke verweist, die so gebildet wird.  
 
Diese Kommode zeichnet sich durch ihre stark bombierte Form aus. Auch die Seiten sind bombiert und laufen zudem schräg nach hinten weg. Furniert ist sie im Ganzen mit Veilchenholz mit Flächen mit einem gekreuzten Motiv, einer sogenannten Parketterie. Zwischen der obersten und der mittleren Schublade befindet sich ein Messingstreifen, ein Stilelement, das einen Bezug zum Stil zu Zeiten Ludwig XIV. herstellt. 
 
Die Kommode ist oben unter der Platte gestempelt: MM. Dies weist auf den vor kurzem wiederentdeckten Pariser Möbelmacher Michel Mallerot (1675-1753) hin, der 1740 Meister wurde. Dass Mallerot ziemlich unbekannt ist, liegt daran, dass sich ein großer Teil seiner Karriere vor 1743 abspielte. Erst in diesem Jahr begann man Möbel, die von Mitgliedern der Gilde gefertigt wurden, mit einer Gilde- und einer Herstellermarke zu stempeln. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Arbeiten von Mallerot von sehr großen Fertigkeiten und hohem fachlichem Können zeugen, was auch an diesem Möbelstück zu erkennen ist. 
 
Alle Bronzen sind gestempelt C Couronné. Ein Edikt aus dem Jahre 1745 verpflichtete Bronzierer dazu, ihre Werke mit einem kennzeichnenden kleinen Buchstaben zu stempeln: einem c mit einer Krone darüber, die anzeigte, dass der Bronzierer Steuern zahlen musste. Das galt sowohl für Objekte als auch für Möbelstücke, die mit Bronze verziert waren.
 
Das Zeichen, das nur wenige Millimeter groß ist, war lange Zeit ein Problem für Forscher: Ist es die Signatur des Bronzierers Caffieri, die des Fondeurs Colson oder der Stempel des Möbelmachers Cressent?
 
Erst in dem Werk „Le Poinçon de Paris“ von Henri Nocq aus dem Jahr 1924 wurde dargelegt, dass es sich um ein Steuerzeichen für bronzene Objekte und Bestandteile handelt, das zwischen 1745 und 1749 verwendet wurde. Wie jede Form von Steuer war auch diese Steuer sehr unbeliebt und es gab viele Gerichtsverfahren von Handwerkern gegen den Staat, in denen dieses Edikt angefochten wurde. Trotzdem wurde es im Februar 1745 offiziell erlassen. Angewandt wurde es auf alle alten und neuen Arbeiten aus Bronze, reinem Kupfer, Gusseisen, Kupferlegierungen, auf geschmiedete, geschliffene, getriebene, geglättete, gravierte, vergoldete, silberne und gefärbte Werke, ohne jede Ausnahme.
Jeder Handwerker musste ins Büro der Stempelzeichen in der „cul-de-sac des Bourdonnais“ im Viertel Halles, um seine Arbeit dort stempeln zu lassen und die Abgabe an das Königshaus zu entrichten. Ein wichtiges Detail: Dies alles spielte sich während des Österreichischen Erbfolgekriegs ab, der Bedarf im militärischen Bereich war damals dringlich. Im Februar 1749 wurde dann der Frieden von Aachen unterzeichnet, woraufhin die Abschaffung von kleineren neuen Steuerbelastungen erfolgte.
 
Doch in der Zwischenzeit musste das Zeichen auf allen Kupfermetallarbeiten erscheinen, die erstellt oder verkauft wurden. Daher ist es auch möglich, das Zeichen auf Objekten zu finden, die vor 1745 hergestellt worden sind, aber während der besagten vier Jahre auf den Markt gebracht oder neu vergoldet wurden. Das ist beispielsweise bei bestimmten Möbelstücken von André-Charles Boulle aus der Zeit Ludwig XIV. der Fall.
 
Provenance:
Versteigerung Carola van Ham, Köln 1997/1998
Privatsammlung, Belgien
 
Literatur:
Comte François de Salverte, Les ébénistes du XVIIe siècle ; leurs œuvres et leurs marques, Paris et Bruxelles, 1923

 

Französische Louis XV „Commode en tombeau“
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1730
Material
Weichholz-Rahmen mit Veilchenholzfurnier, Schubladen aus Walnussholz, feuervergoldete Bronze, „Brêche d’Alep“-Marmorplatte
Signatur
Gestempelt: MM [oben unter der Platte]
Abmessungen
87 x 145 x 64 cm

Weltweite Lieferung möglich


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