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Louis-Jean-François Lagrenée (1724-1805)



Louis-Jean-François Lagrenée (1724-1805)

Bei der auf dieser Porträtminiatur präsentierten Person handelt es sich um den Maler Louis Jean François Lagrenée (1724 – 1805). Er gewann 1749 als Schüler von Carle van Loo den Prix de Rome der königlichen Akademie und hielt sich seitdem eine Zeitlang in Rom auf. 1755 erhielt er mit einem Bild, das in Bezug auf Technik und Qualität mit Guido Reni vergleichbar war, eine Zulassung zur Akademie. Später bekam er wegen der Übereinstimmungen mit den Arbeiten von Francesco Albani, einem italienischen Meister des 17. Jahrhunderts, den Beinamen „der französische Albani“. 1760 bis 1762 war er Direktor der Akademie in Sankt Petersburg und erfüllte Aufträge für den russischen Hof. Wieder in Paris wurde er Direktor an der Akademie und erhielt so viele wichtige Aufträge.
Kritiker, darunter vor allem Denis Diderot, fanden allerdings seine kleineren Werke und im Besonderen seine kleinen Kabinettmalereien viel aussagekräftiger. Diderot fand schon 1763 in seiner Kritik am Salon von 1763, dass Lagrenée in seinen großen Leinwänden sein Talent weniger entfaltete als in seinen kleineren.

Es ist also sehr gut möglich, dass Louis Lagrenée selbst diese Porträtminiatur gemalt hat. Ein wichtiges Argument dafür ist die große Ähnlichkeit mit dem in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts in Helsinki gemalten Selbstporträt. Es kann sein, dass dieses Gemälde in Sankt Petersburg zurückgelassen wurde, nachdem Lagrenée sich dort von 1760 – 1762 aufgehalten hatte, und der Maler selbst eine handliche Erinnerung an sein Porträt, das er mit 28 Jahren fertigte, geschaffen hat.

Das Gemälde ist gemäß der Tradition des 18. Jahrhunderts eigentlich keine Miniatur, sondern nur ein sehr kleines, von einem technisch außergewöhnlich talentierten Maler gefertigtes Gemälde.

Bemerkenswert ist die Art, wie der Maler porträtiert wurde: nicht wie im 18. Jahrhundert üblich in der Kunst des Miniaturporträts auf Elfenbein, sondern in einer Maltechnik auf Metall.

Große Porträts zu malen ist etwas ganz anderes als das Malen im Miniaturformat, ein Porträt in beispielweise 100 x 70 cm ist ungefähr fünfzehnmal größer als ein durchschnittliches Miniaturporträt. Zudem ist die Entfernung, aus der man ein solches Bild betrachtet, auch ganz anders: Ein Miniaturporträt wird in die Hand genommen und ganz nah am Gesicht besehen. Das bedeutet, dass man eine völlig andere Technik anwendet, weil eine solche Miniatur viel detaillierter gemalt werden muss. Darum gibt es nur wenige Maler großer Gemälde, die auch Miniaturen malten und nur wenige Miniaturenmaler, die auch große Gemälde anfertigten.
Das Wort „Miniatur“ für Porträtminiatur leitet sich nicht von der Größe des Bildes, sondern von der Technik, der Arbeit in Miniatur, ab.
Eine französische Monografie über Lagrenée aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts beschreibt das Werk dieses Meisters sehr ausführlich. Diese Miniatur wird darin nicht erwähnt, weil sie dem Autoren damals noch nicht bekannt war. 
Ein Grund dafür, dass man dieses Porträt Lagrenée zuordnen kann, ist, dass Lagrenée nicht nur große, sondern auch (sehr) kleine Bilder gemalt hat. Daher wird er in manchen Lexika auch als Miniaturist aufgeführt.
Obwohl Lagrenée eine Liste seiner Werke erstellte (Bibliothèque nationale de France), findet man diese Miniatur nicht auf der Liste. Die Beschreibungen sind sehr kurzgefasst und zudem führt Lagrenée die Werke, die er vor seinem Umzug nach Sankt Petersburg gefertigt hat, nicht auf und es kann sein, dass es die Miniatur zu dem Zeitpunkt schon gab. Auffallend an dieser Miniatur ist der Träger: Der ist nämlich aus Metall. Nicht ungewöhnlich für eine Miniatur, wohl aber für eine französische Malerei des 18. Jahrhunderts, außer bei Lagrenée, der laut seiner Liste verschiedene, vor allem kleinere Arbeiten auf Kupfer und andere Metalle gefertigt hat.


Literatur:
Diderot, Essais sur la peinture Salons de 1759, 1761, 1763 (Ausgabe 1984), S. 205-207
Marc Sandoz, Les Lagrenée, Paris, 198

Louis-Jean-François Lagrenée (1724-1805)
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1760-1765
Material
Ölfarbe auf Metall
Abmessungen
6 x 4.8 cm

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