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Sechsersatz silbernen Louis-XVI-Kerzenleuchter, Amsterdam, Frederik Manicus I



Sechsersatz silbernen Louis-XVI-Kerzenleuchter, Amsterdam, Frederik Manicus I

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand eine Aufwertung der klassischen Antike statt. Kunst und Architektur waren vom „wahren Geschmack“ durchdrungen. Der Neoklassizismus, wie diese Kunstströmung seit dem 19. Jahrhundert genannt wird, entstand gleichzeitig in Frankreich, den Niederlanden und England. Einfluss auf die Entwicklung dieses Stils hatten die Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum und die vielen Veröffentlichungen, die aus diesem Anlass erschienen. Die Kunst der Antike wurde bewundert und als die Kunst angesehen, der es nachzueifern galt.


Vor allem in der Architektur war das der Fall: Es wurden unterschiedliche Gebäude im klassischen Stil errichtet, wobei der Pavillon Welgelegen in Haarlem den Höhepunkt bildete. Aber auch im Kunsthandwerk wurden ganz unterschiedliche, häufig von französischer Kunst inspirierte Objekte im klassischen Stil gefertigt. In Zeitungsanzeigen wurden diese Neuheiten als „antik“ oder „à la grecque“ angepriesen. Der Begriff „à la grecque“ tauchte zum ersten Mal im September 1770 in einer Anzeige für englische Wedgwood-Keramik auf.
Der stärkste Einfluss ging allerdings nicht von England, sondern von Frankreich aus: Der neue Stil verbreitete sich durch Bücher, Drucke und viele Luxusgüter, die von dort importiert wurden.
Diese Kerzenleuchter von Frederik Manicus I. (1738-1785) sind ein wunderschönes frühes Beispiel für den Louis-seize-Stil, gefertigt wurden sie in einer Periode, in der andere Silberschmiede noch immer im Stil des graziöseren Rokokos arbeiteten.
Frederik Manicus war ein bemerkenswerter Meister, der fast ausschließlich in diesem Stil arbeitete. Manicus wurde um 1769 herum als Meister zur Amsterdamer Gilde zugelassen und erstellte vor allem große Werke. Neben Terrinen auf Untersetzern, Körben und Kannen sind vor allem seine Kerzenleuchter bekannt. Die Firma Aardewerk zeigte 1990 auf der Messe in Delft zwei Kerzenleuchter von Manicus, die ebenfalls aus dem Jahr 1770 stammten und den gleichen Schaft aufwiesen, aber einen anders geformten, nämlich achteckigen Fuß besaßen. Beim Aufbau des Schafts hat sich Manicus deutlich an den Ludwig-XIV.-Kerzenleuchtern mit Balustern, Nodi und acht abgerundeten Ecken orientiert.


Die Kerzenleuchter tragen das Beschauzeichen der Stadt Utrecht aus dem Jahr 1795. Dieses Prüfzeichen – ein Hütchen als Symbol für die Freiheit auf einem Speer – lässt darauf schließen, dass sich die Kerzenleuchter zu der Zeit in Utrecht oder dessen Umgebung befanden. Sie gehörten damals vermutlich noch ihrem ersten Besitzer oder den direkten Nachkommen des Auftraggebers. Die Steuerzeichen aus dem 19. und 20. Jahrhundert weisen darauf hin, dass sie später mehrmals als Set weiterverkauft wurden. Früher waren Sets von sechs Kerzenleuchtern nicht unüblich, heutzutage sind sie allerdings sehr selten. Meist stehen die Kerzenleuchter, weil das Set aufgeteilt wurde, lediglich paarweise zum Verkauf.


Gemarkt mit dem Meisterzeichen FM für Frederik Manicus I. (Citroen 226), Jahresbuchstabe L (1770), Stadtpunze von Amsterdam, Beschauzeichen 1795 „Freiheitsbaum“ für Utrecht (jeder einzelne Kerzenleuchter außer Nummer VI) und alte Steuerzeichen: gekröntes O (1807), gekröntes V (1815–1893) und Z II (nach September 1953).
Gewicht: 638 g (I), 626 g (II), 634 g (III), 621 g (IV), 665 g (V), 621 g (VI).

Provenienz:
Privatsammlung, Niederlande

Sechsersatz silbernen Louis-XVI-Kerzenleuchter, Amsterdam, Frederik Manicus I
Preis auf Anfrage
Epoche
1770
Material
Silber
Signatur
Frederik Manicus
Abmessungen
26.6 cm
Diameter
13.10 cm

Weltweite Lieferung möglich