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Holländischer zweitüriger Louis XVI Sekretär



Holländischer zweitüriger Louis XVI Sekretär

Ein zweitüriger Sekretär auf vier konturierten Beinen, von denen die vorderen beiden übereck angebracht sind. Die untere Traverse der Front zeigt eine wellenförmige Schürze und eine feuervergoldete bronzene Fußleiste in Transitionsform. Die übereck angebrachten vorderen Säulen sind mit Faux-Kannelierungen verziert und tragen Eckbeschläge in neoklassizistischem Stil in der Form eines an einer Schleife hängenden Blatt- und Fruchtfestons. Auch die hinteren Säulen sind mit falschen Kannelierungen geschmückt. Sowohl die Türen als auch die Seiten sind dekoriert mit jeweils zwei Paneelen, auf den Seiten sind die Paneele von einfachen, auf den Türen von doppelten Mäanderbändern eingefasst. Jedes Paneel ist mit einer Vase dekoriert. In den Vasen auf den Seiten des Sekretärs stehen Blumen, die Vasen auf den Türen sind leer. Die unteren Vasen auf der linken und rechten Seite sind vom Modell her gleich, für die oberen Vasen gilt dasselbe. Die unteren Vasen auf den Türen sind vom Modell her identisch, ebenso die beiden Vasen in den oberen Paneelen.
Sowohl die Türen als auch die Seiten schmücken an der oberen Kante liegende Paneele, verziert mit einem aus Akanthusblatt geformten Wellenband. Die Türen haben jeweils ein feuervergoldetes bronzenes Schlüsselblatt im neoklassizistischen Stil.


Auf den ersten Blick sieht dieses Möbelstück wie ein schön verzierter, zweitüriger Schrank aus, aber das Innere birgt eine Überraschung in sich. Es besteht aus einem Sekretär mit einer ausklappbaren Schreibplatte, die auf Hölzern ruht. Unter der Schreibplatte befinden sich vier Schubladen mit feuervergoldeten bronzenen Griffen, zwischen den Hölzern sind drei Schubladen mit Griffen. Oberhalb der Schreibplatte befinden sich vier Schubladen mit Griffen, zwei hohe Brieffächer und sechzehn Aufbewahrungsfächer unterschiedlicher Größe. Das obere offene Fach erstreckt sich über die gesamte Breite des Möbelstücks.


In den Niederlanden sind bisher zwei andere Möbelstücke bekannt, die auf vergleichbare Weise mit Marketerie in Form von Vasen nach Entwürfen von Maurice Jacques verziert sind. Es handelt sich um Kommoden, die möglicherweise zusammen mit diesem Schreibpult ein im Auftrag gefertigtes Ensemble bildeten, dessen Einzelteile im Laufe der Zeit getrennt wurden. Es ist fast sicher, dass alle drei Möbelstücke aus der Werkstatt des gleichen Möbelmachers stammen.


Die vier unterschiedlichen Vasen in Marketeriearbeit, mit denen der Sekretär dekoriert ist, sind nach Entwürfen von Maurice Jacque(s) (ca. 1712-1784) gefertigt. Jacques war „peintre et dessinateur à la Manufacture Royale des Gobelins“, wo er vor allem Kartons für Wandteppiche und für Borten rundum Wandteppiche entwarf und regelmäßig mit François Boucher zusammenarbeitete. Zudem beschäftigte sich Jacques mit dem Entwerfen von „Möbeln“. Unter einem „Möbel“ verstand man in den „Gobelins“ den Entwurf für den Bezug eines Ensembles von Stühlen und Kanapees, mit denen man einen Raum einrichtete.
(Im Musée du Louvre in Paris befinden sich Stühle mit Bezügen nach einem Entwurf von Jacques. Diese Entwürfe fertigte er etwa 1768 im Auftrag der Herzogin d’Enville, als sie das Schloss La Roche-Guyon im neoklassizistischen Stil neu einrichtete.)
Neben seiner Arbeit für die „Gobelins“ veröffentlichte Jacques einige Bücher mit Dekorationsentwürfen. Solche Bücher verbreiteten sich rasch und die Entwürfe wurden dann auch überall in Europa verwendet (Abb. 1 in Cat.tent Haarlem 1998, S. 112).
Jacques’ Entwürfe wurden nicht nur für Teppiche oder Bezüge verwendet, sondern auch mehrmals in Marketerie auf Möbeln ausgeführt.


Der zweitürige Sekretär ist auf S. 174 in einem Buch von van Hofstede 1989 abgebildet. Eine der Kommoden wurde auf S. 122 in einem Buch von van Hofstede 2004 abgebildet.

Provenienz:
Z.J. Woudstra & sons, Nieuwe Hoogstr. 4, Amsterdam
Auktion Sotheby Mak van Waay, Amsterdam, dezember 8. 1975, lot. 2707
Privatsammlung Belgien

Literatur:
Ausstellungskatalog Haarlem 1989. Frans Grijzenhout and Carel van Tuyll van Serooskerken red., Edele eenvoud, Neo-classicisme in Nederland 1765-1800, Zwolle 1989.
Annigje C.H. Hofstede, Meubelkunst, 40 eeuwen meubelgeschiedenis, Utrecht 1989. (the very secretaire is shown on page 174)
Annigje Hofstede, Nederlandse meubelen, van Barok tot Biedermeijer 1700-1830, Zwolle 2004.
Bill G.B. Pallot, Le Mobilier du Musée du Louvre, tome 2, Paris 1993.
Peter Thornton, From & Decoration, Innovation in Decorative Arts 1470-1870, London, 1998.
 
 
Holländischer zweitüriger Louis XVI Sekretär
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1775
Material
Eichenholz, furniert mit Amarant-, Rosen-, Zitronen-, Ahorn- und Palmholz sowie bois teinté; das Innere ist furniert mit Mahagoni-, Amarant-, und Eibenholz; graue Bardiglio-Marmor-Platte
Abmessungen
148 x 43 x 97 cm

Weltweite Lieferung möglich


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