×
Home Sammlung Veranstaltungen Über uns Kontakt

Große französische Pendule mit Sèvres-Porzellan, „dite des repas antiques“



Große französische Pendule mit Sèvres-Porzellan, „dite des repas antiques“

Versilberte Kupfertür, auf der Rückseite mit gravierter Widmung:

Donnée par LL. MM.
le Roi et la Reine des Français
le 1er  Xbre 1842
à Mr le Mis d’Aligre
Pair de France de 1815

Le Mis d’Aligre avoit offert
partie du Terrain
sur lequel repose
le Duc d’Orleans


Uhrwerk
Die Pendule hat ein Uhrwerk mit einer Gangdauer von 14 Tagen, das auf einem Graham-Gang läuft. Das Uhrwerk hat drei Federgehäuse: eins für das Gangwerk, eins für das Schlagwerk und ein drittes für das Viertelstunden-Schlagwerk. Beide Schlagwerke haben auf der rückseitigen Platine eine eigene Schloss-Scheibe. Die Schlagwerke schlagen auf drei Glocken. Auf der rückseitigen Platine ist die Uhr signiert: CHAUDÉ HGER DU ROI A PARIS AN 1842.
Auf dem Zifferblatt aus Porzellan werden die Stunden durch goldene römische Ziffern angezeigt, die Minuten durch Striche. Die Uhr hat zwei gebläute Bréguet-Zeiger.

Obwohl Chaudé den Titel Horloger du Roi (königlicher Uhrmacher) führte, ist nur wenig über ihn bekannt. Chaudé arbeitete mit Nicholas Matthieu Rieussec (1781-1866) zusammen und führte dessen Betrieb unter dem Namen Rieussec-Chaudé weiter. Die Werkstatt war für ihre außergewöhnlichen Erfindungen und Uhrwerke von sehr hoher Qualität bekannt.


Beschreibung der Pendule
Eine sehr große Pendeluhr mit Porzellan-Plaketten aus der Manufaktur von Sèvres. Auf der Vorderseite sieht man eine Darstellung eines „repas antique“, eines antiken Festmahls. Das Zifferblatt darüber wird von einem Basrelief mit zwei Füllhörnern aus Biskuitporzellan auf grünem Untergrund umgeben. Auf der Uhr steht eine gekrönte Büste von Apollo aus Biskuitporzellan, datiert 1842. Eine Weltkugel mit Lorbeerblättern aus vergoldeter Bronze bekrönt diese Pendule. Auf den Seiten finden sich in feuervergoldeten Einrahmungen Abbildungen von Vertumnus und Pomona sowie Bacchus und Ceres. Die hervorragende Qualität der Ausführung des Porzellans zeigt, dass die Manufaktur von Sèvres im 19. Jahrhundert noch immer zur Spitze gehörte. Zudem macht sie deutlich, dass man für diesen Auftrag weder Mühen noch Kosten gescheut hatte.
Diese außerordentlich große Uhr hatte der König zusammen mit zwei Beistellern für seinen Speisesaal im Schloss St. Cloud bestellt. Die ersten Entwürfe (siehe Abbildung) wurden in den Jahren 1840-1842 von Leloy erstellt. Jean-Charles-François Leloy war von 1818 bis 1844 als Entwerfer, Zeichner und „Ornemaniste“ (d. h. spezialisiert auf die Bemalung mit Ornamenten) für die Manufaktur von Sèvres tätig. Er entwarf viele Objekte für den König, darunter auch verschiedene Service. Einer seiner Entwürfe war das Service Ordinaire Fontainebleau mit einem geometrischen Sternenmotiv, das zur Renaissance-Architektur von Fontainebleau passte. Es wurde so populär, dass es während des ganzen 19. Jahrhunderts in der Manufaktur von Sèvres produziert und von anderen Manufakturen kopiert wurde. Leloy ist auch der Entwerfer der berühmten „Clodion“-Vasen, die heute im Louvre stehen.
Leloy bekam für den ersten Entwurf der Uhr im Juli 1840 einen Betrag von 110 Francs ausgezahlt. Im Oktober und November 1841 erhielt er noch 60 Francs für mehrere Detailzeichnungen für die Ausführung der Details. Auf der Entwurfszeichnung, die leider in einem schlechten Zustand ist, steht: Pendule dite des repas antiques exécuté de la salle à manger du palais de Saint-Cloud, das heißt: für den Speisesaal des Palasts von Saint-Cloud gefertigt.
Die Darstellungen auf der Uhr und den Plaketten zeigen daher auch Objekte, die typischerweise mit einem opulenten Mahl einhergehen. Das Füllhorn bekrönt das antike Mahl, bei dem antike Helden zu Tisch liegen, um sich an Wein zu laben und Früchte und andere Speisen zu genießen.
Die architekturale Form der Uhr mit dem großen halbrunden Bogen als Abschluss erinnert an ein Kirchengebäude oder eine Bahnhofshalle. Um 1840 war Letztere ein hochmodernes Gebäude und diese imposante Uhr nahm möglicherweise Bezug darauf.

Die Plaketten wurden 1842 von Moriot nach Entwürfen von Beranger bemalt.
Nicolas-Marie Moriot (1788–1852) war von ca. 1828 bis 1848 in der Manufaktur von Sèvres tätig. Er auf das Malen von historischen Darstellungen spezialisiert und die Plaketten auf dieser Uhr sind typisch für sein Werk.
Antoine Beranger (1785-1867) ist vor allem als Entwerfer für die Manufaktur von Sèvres bekannt. Schon 1808 empfahl der Direktor Brongniart ihn dem Generalintendanten des Kaisers als einen jungen Mann, der vielleicht noch unbekannt, aber sehr talentiert und vielversprechend war. Beranger entwarf und bemalte sehr viel Porzellan bei Sèvres, aber er malte auch Bilder, die er zwischen 1814 und 1849 in den Salons von Paris ausstellte.
Sein Entwurf für das „repas antique“ (antike Mahl) konnte im Archiv von Sèvres nicht aufgefunden werden. Möglicherweise hat Moriot die Darstellung nach einem Druck oder einem Gemälde von Beranger gemalt.
Am 15. April 1842 wurde die Uhr ins Lager geliefert. Für die Uhr wurde bei einem Herstellungspreis von 10.517 Francs ein Verkaufspreis von 12.000 Francs (Bestandsbuch (101v0 -15)) angegeben.  
Die Beisteller wurden zwei Wochen später ins Lager geliefert und hatten einen Verkaufspreis von 2.000 Francs pro Stück.

Die Beisteller wurden dann am 17. Dezember 1842 an den Palast von St. Cloud geliefert. Man ließ Objekte einige Zeit im Lager, das auch als Geschäft diente, stehen, um Kunden dazu zu bewegen, das Gleiche zu bestellen. Das war auch bei den Beistellern der Fall.
Die Uhr aber wurde nie an den König für Schloss St. Cloud geliefert, obwohl doch auf der Entwurfszeichnung klar und deutlich steht, dass sie für diesen Palast gefertigt wurde. Auf der versilberten Bronze-Tür an der Rückseite der Uhr ist zu lesen, dass der König und die Königin von Frankreich dieses Objekt dem Marquis d’Aligre schenkten. Der Grund für die Schenkung wird auf der Rückseite genannt. Es handelt sich dabei um eine traurige Geschichte.
Prinz Ferdinand Philippe d’Orleans (1810-1842) war der damalige französische Thronfolger. Er war mit Helene von Mecklenburg Schwerin verheiratet und hatte zwei Kinder. Eines Tages verließ er den Palast, um seine Eltern (den König und die Königin) in Neuilly-sur-Seine zu begrüßen. Er hatte für diesen Anlass eine offene, von zwei Pferden gezogene Kutsche gewählt. Bei Sablonville (dort, wo heutzutage in Porte Maillot der Palais des Congrès steht) verlor er die Kontrolle über die Pferde, fiel von der Kutsche und zog sich dabei eine Schädelfraktur zu. Der Prinz wurde bewusstlos in das Hinterzimmer eines in der Nähe gelegenen Lebensmittelladens gebracht und starb dort ein paar Stunden später im Beisein seiner in aller Eile herbeigerufenen Familie.
Der Tod des Thronfolgers stürzte das Land in tiefe Trauer. Der Marquis d’Aligre schenkte Frankreich das Stück Land, auf dem der Lebensmittelladen stand, für den Bau einer Gedenkkappelle, der Chapelle Royal Saint Ferdinand, die später in Notre Dame de la Compassion umbenannt wurde.
Hier wurde des Prinzen Ferdinand von Frankreich gedacht. Begraben wurde er letztendlich in der königlichen Grabkapelle in Dreux.
Die Gedenkkappelle in der Form eines griechischen Kreuzes wurde von Pierre Francois Fontaine, dem Architekten des Arc de Triomphe, entworfen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass das Äußere ihres Giebels unserer Uhr ähnelt. Dieses Gebäude, in neobyzantinischer Bauweise aus Naturstein errichtet, wurde 1968 abgerissen und 100 Meter weiter wieder aufgebaut, um Platz für den Palais des Congrès Porte Maillot zu schaffen.
Laut dem Archiv von Sèvres wurde die Uhr im Auftrag des Generalintendanten, des Comte de Montalivet, am 19. November 1842 an den Marquis d’ Aligre geliefert (Archiv von Sèvres (Vbb 10, Fol. 19v)). Der Comte de Montalivet war als „Intendant der Zivilliste“ des Königs von 1839 bis 1848 für die Gründung des Museums von Versailles, die Erweiterung des Louvre und die Restaurierung der Schlösser Fontainebleau, Pau und Saint-Cloud verantwortlich. So konnte er im Namen des Königs und der Königin arrangieren, dass der Marquis d’Aligre als Geschenk die Uhr erhielt, die eigentlich für den Speisesaal von St. Cloud bestimmt war.

Der Empfänger der Uhr
Étienne-Jean-François-Charles, der 6. Marquis d'Aligre (geb. am 20. Februar 1770 in Paris, gest. am 11. März 1847 in Paris) war ein französischer Politiker. Während der Revolution floh er aus Frankreich, um dann 1798 zurückzukehren und den immensen Nachlass seiner Eltern einzufordern. Unter der Herrschaft von Napoleon war er u. a. Kammerherr von Pauline Bonaparte. 1815 wurde er zum Pair de France (Mitglied einer Art ersten Kammer von Frankreich) ernannt. Er besaß unter anderem 21.000 Hektar Land in der Region Bordeaux. 1804 kaufte er das Chateau des Vaux, das er gründlich umbauen ließ. Er hatte nur eine Tochter (aus seiner ersten Ehe mit Marie de Godefroy de Senneville), die Étiennette d'Aligre genannt wurde und den Marquis de Pomereu heiratete. Ihre Kinder trugen den Namen „Pomereu d'Aligre“ und erbten den Titel „Marquis d'Aligre“. Der Marquis d’Aligre war in zweiter Ehe (1810) mit Louise Charlotte Aglaé Camus de Pontcarré verheiratet. Zusammen mit seiner Frau spendete der Marquis einen Teil seines Eigentums für gute Zwecke, beispielsweise den Bau von Gefängnissen oder Krankenhäusern. Er ist insbesondere für die Aligre Foundation in Chartres, das Aligre-Krankenhaus in Bonneval (Eure-et-Loir), das Bourbon-Lancy-Krankenhaus (Saône-et-Loire) und das Aligre-Krankenhaus in Château-Chinon (Nièvre) verantwortlich.
Die Uhr wurde in der ersten von zwei Versteigerungen des Nachlasses von Marquis d’Aligre versteigert, die 1848 und 1849 (22.-24. November 1848, 23.-25. Januar 1849, die letzten Objekte wurden im März 1850 verkauft) in seinem Wohnhaus in der Rue d’Anjou Saint-Honoré Nr. 43 in Paris stattfand. Bei diesen Versteigerungen befanden sich zwischen all den Möbeln, Bronzen, Marmorskulpturen und Service auch dreißig Pendulen und Uhren. Lotnummer 209 beschreibt: Porcelaine de Sèvres.- Une grande pendule en porcelaine de Sèvres moderne, de forme monumentale, ornée de tres belles peintures, et richement montée en bronze doré.
Weil die zweite Versteigerung nur die Objekte aus dem 1. Stock umfasste, kann angenommen werden, dass die Uhr in einem der Säle im Erdgeschoss des Hotels Aligre einen Ehrenplatz hatte.
 
Literatur:
B. Chevallier e.a. Les Sèvres de Fontainebleau: porcelaines, terres vernissées, émaux, vitraux (pièces entrées de 1804 à 1904), Parijs 1996,  p.114
Anne Perrin Khelissa, “La carrière de Jean-Charles-François Leloy, dessinateur à la Manufacture de Sèvres entre 1818 et 1844", no. 19 (2010), Sèvres. Revue de la Société des Amis du musée national de céramique, pp. 69-88.
 
Provenienz:
Bestellt von Ludwig Philippe I., König von Frankreich, für das Schloss Saint Cloud zusammen mit zwei Beistellern
Geschenk an Monsieur Marquis d’Aligre, geliefert am 29. November 1842
Versteigerung Aligre, 22.-24. November 1848, Ridel Paris, Lot 209
Versteigerung Palais d'Orsay, 25. November 1977, Lot 89
Privatsammlung, Europa
Große französische Pendule mit Sèvres-Porzellan, „dite des repas antiques“
Preis auf Anfrage
Epoche
1842
Material
feuervergoldete und patinierte Bronze, Sèvres-Porzellan
Abmessungen
100 x 50 x 30.5 cm

Weltweite Lieferung möglich


Was Sie sonst noch interessieren könnte