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Französische Louis XVI Régulateur à Équation, Ferdinand Berthoud



Französische Louis XVI Régulateur à Équation, Ferdinand Berthoud

Uhrwerk
Stehender Regulator mit Stunden-, Minuten- und Sekundenanzeige, Jahreskalender und Sonnenzeit (Zeitgleiche). Das Gangwerk mit Gewichten hat eine Laufzeit von einem Monat mit Gangreserve und ein Graham-Echappement. Das Schlagwerk auf Schlossscheibe wird von einer Federtrommel angetrieben und schlägt zur vollen Stunde ganz und zur halben Stunde einmal auf eine Glocke.
Das Kompensationspendel aus Stahl und Messing ist mit einer Kompensationsanzeige und einer Messeraufhängung versehen.

Zifferblatt
Emailliertes Zifferblatt, an der Unterseite signiert: „Coteau“. Stundenanzeige in römischen Ziffern, Minutenanzeige in arabischen Ziffern. Jahreskalender auf dem Außenring. Zwei vergoldete und drei stählerne Zeiger.

Gehäuse
Ein furniertes Eichenholzgehäuse, Balthazar Lieutaud zugeschrieben, mit Amaranth-, Eben-, Palm- und Rosenholz sowie „Noeud de vigne“. Das Gehäuse steht auf einem furnierten Holzsockel späteren Datums. Die Tür vor dem Pendel läuft nach unten etwas konisch zu und hat ein Glasfenster. Das Ganze ist mit einem runden Fenster mit einem Kugelglas, das in einen vergoldeten Rahmen montiert ist, versehen.
Das „Noeud de vigne“-Furnier besteht aus Scheiben von Weinrebenholzkopfstücken, die als Muster angeordnet sind und mit Kopfstücken aus dünneren Teilen des Weinstocks aufgefüllt wurden.
Das Gehäuse ist mit sehr feinen, ziselierten vergoldeten Rahmen und einer Vase verziert.

Kompensationspendel
Die Anzeige der Zeitgleiche bzw. Sonnenzeit weist darauf hin, dass die Uhr für Präzisionszwecke, z. B. die Schifffahrt, gefertigt wurde. Um die Genauigkeit zu vergrößern, wurde ein isochrones Pendel eingebaut. Dieses Prinzip wurde 1726 von John Harrison eingeführt und später von John Ellicot perfektioniert. Das Pendel ist so konstruiert, dass es fast nicht von Temperaturunterschieden in der Umgebung beeinflusst wird. Erreicht wird dies durch die Verwendung von Metallen, die einen unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten haben.
Das isochrone Pendel, das in diesen Regulator eingebaut wurde, ist ein spezieller Entwurf von Berthoud persönlich und wurde nicht wie sonst üblich aus runden, dünnen Stangen (Gridiron Pendulum), sondern aus voluminösen Metallstäben gefertigt. Diese Konstruktion wird in Berthouds Standardwerk „Essai sur l’Horlogerie“ (1763, Vol. II, Kapitel 44, Ill. Planche  XXXIV) sehr genau beschrieben. Berthoud ist bei seinen Berechnungen und der wissenschaftlichen Untermauerung seines Entwurfs äußerst genau gewesen.

Ferdinand Berthoud (1727 – 1807)
Ferdinand Berthoud wurde am 18. März 1727 in Plancement im Schweizer Kanton Neuchâtel geboren. Schon mit 14 Jahren begann er als Uhrmacherschüler im Atelier seines älteren Bruders Jean-Henri Berthoud. Als er mit 19 Jahren seine Ausbildung zum Gesellen abgeschlossen hatte, zog es ihn nach Paris, wo er bei seinem anderen Bruder Jean-Jacques einzog, um seine Ausbildung abzurunden. Es gibt Hinweise, dass Berthoud in seinen frühen Jahren in Paris für Julien le Roy arbeitete. So könnte er auch in Kontakt mit Pierre le Roy gekommen sein, der später wegen seiner Verdienste für die maritime Zeiterfassung berühmt wurde und sein wichtigster Rivale war. Am 4. Dezember 1753 wurde Berthoud durch einen königlichen Beschluss und gegen die Regeln der Gilde Uhrmachermeister. 1755 redigierte er eine Reihe von Artikeln über Uhren und ihre Fertigung für Diderots „l’Encyclopedie“. 1763 schickte Louis XVI. Berthoud auf eine Mission nach London. Zusammen mit Étienne Camus und Jérôme Lalande sollte er die H4-Uhr von John Harrison studieren. Sie zahlten den ansehnlichen Betrag von 500 Pfund dafür, dass Harrison seine Modelle H1, H2 und H3 vorführte. Er weigerte sich allerdings, der Delegation die H4 zu zeigen. Berthoud sorgte dafür, dass sich sein Besuch in London trotzdem lohnte, indem er am 16. Februar 1764 die Zulassung als „Associate foreign member“ zur Royal Society ergatterte.
1765 reiste Berthoud erneut nach London, um die H4 zu sehen. Er wurde vom sächsischen Minister Heinrich von Brühl eingeführt. Harrison wollte Berthoud die H4 allerdings nur zu dem unannehmbaren und exorbitanten Betrag von 4.000 Pfund zeigen. Vermutlich ahnte er, dass Berthoud die Funktionsweise der H4 für die französische Marine nutzen würde. Letztendlich war es Thomas Mudge, der Berthoud die Funktionsweise der H4 erläuterte, übrigens ohne ihm die Uhr zu zeigen.
Mit dem neuen Wissen machte Berthoud Herzog von Praslin schriftlich einen Vorschlag in Bezug auf die Entwicklung von zwei neuen maritimen Uhren, Nummer 6 und Nummer 8. Er verlangte auf der Basis seiner Verdienste in der Vergangenheit und als Vorschuss für die Entwicklung der beiden Uhren eine Vergütung von 3.000 Livre pro Jahr. Zugleich spielte er auf den Titel „Horloger mécanicien du Roi et de la marine“ an. Am 24. Juli 1768 beschloss der König, das Projekt der beiden neuen Uhren zu finanzieren.

Am 3. November 1768 wurden die Uhren Nummer 6 und Nummer 8 im Hafen von Rochefort an Bord der Fregatte Isis gebracht, die unter dem Kommando von Eveux de Fleurieu stand. Dies war der Beginn einer langen Reihe von Experimenten, um die maritime Zeitmessung zu perfektionieren. Die Experimente wurden später von Berthouds Neffen Pierre-Louis weitergeführt.
Berthoud erhielt letztendlich die Titel „Horloger mécanicien du Roi et de la marine“ und „Chevalier du Légion d’Honneur“. Er starb 1807 in Groslay.

Joseph Coteau (1740-1801)
Coteau war der bekannteste Emailleur in Paris und arbeitete fast ausschließlich für die wichtigsten Uhrmacher. Er wurde in Genf geboren, wo er auch 1766 Maler-Emailleur-Meister an der Académie Saint Luc wurde. Einige Jahre später ließ er sich in Paris nieder und arbeitete ab 1772 in der Rue Poupée. Coteau ist vor allem für seine Relief-Emaillier-Technik bekannt, die er gemeinsam mit Parpette perfektionierte und die vor allem bei Objekten aus Sèvres-Porzellan und für Zifferblätter kostbarer Uhren verwendet wurde. Die Werke von Coteau findet man in den Sammlungen wichtiger Museen auf der ganzen Welt.

Balthazar Lieutaud
Lieutaud war in der Zeit Louis XV. und des frühen Klassizismus einer der wichtigsten Pariser Möbelmacher. Er wurde in einer Familie von renommierten Möbelmachern geboren. 1749 wurde er Möbelmachermeister und eröffnete anschließend eine Werkstatt an der Rue de la Pelleterie. Lieutaud spezialisierte sich schon bald auf Gehäuse von Regulatoren und Kartell-Uhren, wobei er seine Bronzen von den besten Bronzegießern wie Charles Grimpelle, Caffieri und Jean-Charles Delafosse bezog.
 

Französische Louis XVI Régulateur à Équation, Ferdinand Berthoud
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1775-1780
Material
feuervergoldete Bronze, emailliertes zifferblatt, Eichengehäuse, Amaranth-, Eben-, Palm- und Rosenholz sowie „Noeud de vigne“
Signatur
Ferdinand Berthoud à Paris
Abmessungen
220 x 48 x 25 cm

Weltweite Lieferung möglich


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