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Paar holländische Louis XIV Gartenvasen



Paar holländische Louis XIV Gartenvasen

Ein Paar Gartenvasen mit einem tordierten, mit einer Muschelkante versehenen und sich nach oben verjüngenden Fuß auf einem Kranz aus Blumen, der auf einem quadratischen Sockel steht. Unten ist die Vase aus Bändern mit Muschelkante und gedrehten Bändern versehen. Der Vasenkörper ist mit Putti und einem Blumenkranz, der von Löwenköpfen gehalten wird, verziert. Der überstehende Deckel ist mit Blattformen und oberhalb davon mit einem runden Knoten mit Muschelrand geschmückt.

Solche Gartenvasen dienten ausschließlich zur Zierde. Diese Gartendekorationen sind unterhalb des Deckels massiv und haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Die Form dieses Vasentyps hat ihren Ursprung in römischen Graburnen, in denen die Asche von Vorfahren aufbewahrt wurde. Als man in der Renaissance damit begann, Gärten mit antiken Fundstücken zu schmücken, hat man diese Urnen als Kunstobjekte zwischen die Statuen gestellt.

Auch in den Niederlanden kamen diese dekorativen Gartenvasen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Mode und es entstand eine Nachfrage nach Gartenvasen aus Marmor nach römischem Vorbild, vermutlich dem Beispiel der Franzosen folgend. Das ist auch auf Gemälden aus dieser Zeit zu erkennen, auf denen solche Vasen fortan ein häufig wiederkehrendes Motiv waren, beispielsweise auf den großen Jagdstillleben von Jan Weenix (1640-1719).

Natürlich wollte man mit solchen Gartenvasen nicht nur seinen Reichtum und guten Geschmack, sondern auch sein Wissen über die Antike und Rom zum Ausdruck bringen. Gartenvasen zählten daher zu den prestigeträchtigsten Gartendekorationen. Unter dem Einfluss von Daniël Marot wurden diese Vasen noch anmutiger und man verwendete sie als architektonisches Element nicht nur in Gärten, sondern auch in Innenräumen. Im Paleis het Loo in Apeldoorn gibt es verschiedene Beispiele dafür.

Diese Gartenvasen sind mit Putti verziert. Putti sind in der Kunst kleine Kinderfiguren, meist nackt und ohne Flügel. Das Wort Putti geht auf das italienische Wort putto zurück und das wiederum auf das lateinische Wort putillus, das Knäblein bedeutet. Putti wurden für allegorische Darstellungen verwendet, aber oft auch einfach nur zu dekorativen Zwecken. Darüber hinaus verkörpern sie häufig verspielte Personifikationen antiker Götter. Putti wurden im 17. Jahrhundert Kindlein genannt. Eine Serie von Drucken von Gerbrand van den Eeckhout aus der Zeit um 1640-1655 mit spielenden Putti trägt auf dem Titelblatt den wohlklingenden Titel: Eenige ordonnantie van verscheyde aerdige kindertjens (übersetzt: Eine Anordnung von unterschiedlichen braven Kindlein). Kleine Kinder standen in der Kunst für Unschuld und Verspieltes. Daher konnte der Künstler Kinder bestimmte sinnbildliche Botschaften ausdrücken lassen, ohne den Betrachter zu beleidigen.  

Auf diesen Gartenvasen sieht man herumtollende Kinder, manche musizieren, andere spielen zusammen, jagen sich, sie tragen einen Blumenkranz oder zupfen an ihm. Ein Putto trägt eine Maske in der Hand. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde er nur spielen, die Maske deutet allerdings auf Verkleidung und Theater hin, auf eine tiefere Ebene, die sich hinter der augenscheinlich unschuldigen Szene verbirgt.

Die hier spielenden Kinder stellen die Geschichte vom Fest der Venus dar, eine Szene aus der griechischen Antike, die ihren Ursprung bei Philostratos und Ovid hat. In einem Garten mit Bäumen, in dem sich das Heiligtum der Venus befindet, pflücken Putti Äpfel und heben sie vom Boden auf. Andere Putti schießen aufeinander oder auf den Boden, spielen oder raufen, manche küssen einander. Auf verschiedene kindliche Art und Weise feiern sie die Rituale der Liebe: einem Geliebten nachlaufen, ihn küssen oder betrügen.

Diese Vasen standen bis 1950 auf dem Gelände von Enghuizen bei Hummelo. 1950 wurden die Gartenvasen dann von Enghuizen an die Firma Nijstad aus Lochem verkauft. Das Paar kam später über die Kunst- und Antikmesse in Delft in den Besitz des Kunsthändlers Herman Bill. Diverse andere Gartenvasen wurden damals ans Rijksmuseum verkauft. Ein Paar war signiert und datiert Jan van Logteren 1737, ein anderes war signiert I. Cressant F anno 1714.

Die Historie von Enghuizen reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das alte Schloss durch ein palastähnliches Haus mit mehreren Flügeln ersetzt, das man nur noch von Zeichnungen von Jan de Beijer aus dem Jahr 1743 kennt. Dieses Haus wurde im 19. Jahrhundert durch ein neues Schloss im italienischen Palazzo-Stil mit vielen Bildhauerarbeiten ersetzt.

Provenance:
Schloss Enghuizen bei Hummelo
Firma Nijstad, Lochem, 1950
Kunsthändler H. F. Bill, Huis Eindenhout, Haarlem, bis 2018

Paar holländische Louis XIV Gartenvasen
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1710
Material
Carrara-Marmor
Abmessungen
68 cm
Diameter
41.00 cm

Weltweite Lieferung möglich


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