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Maastrichter Louis XV Eiche Eckschrank



Maastrichter Louis XV Eiche Eckschrank

Ein eleganter, reich mit Bildhauerarbeiten versehener Maastrichter Eckschrank. Der Schrank steht auf einer gewellten, mit Bildhauerarbeiten versehenen Leiste und wird von einem einfach geschwungenen Gesims bekrönt, das in der Mitte mit einer Rocaille verziert ist. Die vier geschwungenen Paneeltüren mit einfach profilierten Umrandungen, die oben und unten in einem Rocaille-Motiv zusammenlaufen, bilden den Rahmen für eine reiche asymmetrische Ludwig-XV.-Schnitzarbeit in der Form stilisierter Rosen, Blumenzweige und Rocailles. Dieses Dekor wiederholt sich auf den Seitenflächen des Schranks und im Gesimskranz. Die Schlagleisten zwischen den Türen sind am oberen und unteren Ende mit bombierten Rocailles verziert. Hinter den Schranktüren befinden sich ausschließlich Ablagebretter.

Die Periode von 1730 bis 1780 wird im Allgemeinen als die Blütezeit der Lütticher Möbelkunst angesehen. Die Schreiner im Fürstbistum Lüttich, zu dem damals auch Maastricht gehörte, übernahmen ungefähr 1700 den französischen Barockstil mit seiner ausgeglichenen und symmetrischen Formsprache, entwickelten aber ihre ganz eigenen Variationen. Sie hielten fast das ganze Jahrhundert lang an einem ausgewogenen Aufbau der Möbel fest, verzierten sie aber mit Schnitzereien, die Spitze ähnelten, und zwar nicht nur an der Vorderseite der Paneele, sondern oft auch an den Ecken und der Bekrönung. Die meisten Lütticher Möbel wurden aus Eichenholz gefertigt, das in den Wäldern der nahegelegenen Ardennen in großen Mengen wächst. Esche, auch Wilde Esche, Kirsche oder Buche wurden seltener verwendet. Das Muschelmotiv ist in dieser Zeit die Verzierung schlechthin. An seiner Gestaltung lässt sich die Entstehungszeit der Möbel grob ablesen. Während die Formgebung der Muschel Anfang des 18. Jahrhunderts noch symmetrisch und starr war, wurde sie gegen Mitte des Jahrhunderts immer asymmetrischer, verspielter und üppiger, bis sie sich gegen Ende des Jahrhunderts quasi wieder beruhigte. Auffallend ist, dass anders als beispielsweise bei den Möbeln aus Namur die Verzierung der Lütticher Möbelstücke aus Vollholz geschnitzt wurden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren neben Muschelmotiven, Palmetten, Lambrequins, Akanthusblättern und Damastimitationen aus Holz die sogenannten „Fonds quadrillés à fleurettes“, sehr beliebt. Um 1750 herum waren dann Zweige mit Blüten, beispielsweise mit Röschen, Margeriten oder Nelken, modern. Die Blumenstiele wurden häufig getrennt vom Möbelstück geschnitzt, was der Schnitzarbeit eine besondere Eleganz verlieh. Auch kunstvoll geschnitzte Blumenkörbchen sowie C- und S-förmige Rocailles wurden oft als Verzierung verwendet.

Bei der Verzierung dieses Eckschranks wurde ein ganz besonderes Motiv verwendet, das in der Fachliteratur als „motif perspectif“ bezeichnet wird. Es hat die Form eines perspektivisch wiedergegebenen Architekturelements und ist meist in eine Rocaille integriert; in der Regel besteht es aus einem Sockel mit einzelnen Blüten. Zwar findet man dieses Motiv auch anderweitig, beispielsweise in der Stuckdecke der Kreuzherrenkirche in Maaseik, in der Holzarbeit eines Altars von Couven in der Kirche von Eupen und an verschiedenen weiteren Orten, doch es ist auffallend, dass es in Maastricht häufiger vorzukommen scheint. In den Giebelverzierungen verschiedener denkmalgeschützter Gebäude in Maastricht ist dieses „motif perspectif“ als Sockel in Rocailles eingearbeitet und auch im Maastrichter Silber des 18. Jahrhunderts wird diese Kombination regelmäßig als Verzierung verwendet. Zudem taucht dieses Motiv in einigen Zeichnungen von Matthias Soiron auf.
Ein zweites typisches Element, das diesen Eckschrank zweifelsfrei als in Maastricht gefertigt kennzeichnet, ist die gewölbte Fußleiste an der Unterseite, auf der der Schrank zu ruhen scheint. In dieser Hinsicht charakteristisch sind zudem die vorspringenden mit Bildhauerarbeiten versehenen Elemente am oberen und unteren Ende der Schlagleisten.

Provenance:
Privatsammlung, Niederlände

Literatur:
W.E.S.L. Keijser-Schuurman, Een bijzondere nalatenschap; meubeltekeningen in de albums van Matthias Soiron, 2002, p.25-27

Maastrichter Louis XV Eiche Eckschrank
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1760
Material
skulptiertes Eichenholz, Messingbeschläge
Abmessungen
255 x 85 cm

Weltweite Lieferung möglich


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