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Kabinett mit japanischer Lackarbeit auf einem vergoldeten hölzernen Régence-Konsoltisch



Kabinett mit japanischer Lackarbeit auf einem vergoldeten hölzernen Régence-Konsoltisch

Dieses Kabinett (oder auch „Cantoor“) mit Lackarbeit weist ringsum erhabene goldene Verzierungen mit roten Details auf schwarzem Untergrund auf. Die Vorderseite zeigt eine Landschaft mit Tempeln und fliegende Phönixe. Die Seitenflächen und die Oberseite sind mit Blumenzweigen, Insekten und einem Phönix dekoriert. Die Türen werden von vergoldeten Metallscharnieren gehalten und sind in der Mitte mit einem sehr detailliert gearbeiteten Schlüsselblatt verziert. Hinter den Türen befinden sich mit Blumenzweigen und einem vergoldeten Metallbeschlag versehene Schubladen. Das Cantoor hat integrierte Füße und steht auf einem französischen reich verzierten hölzernen Konsoltisch aus der Régence-Periode.

Die Dekoration entspricht dem sogenannten „Pictorial Style“, bei dem die Verzierungen in der Regel in Gold auf Schwarz ausgeführt ist. Dieser Stil wurde etwa 1630 von den Japanern entwickelt, um dem Geschmack der Niederländer entgegenzukommen, die mittlerweile zu wichtigen Abnehmern von Lackarbeit-Objekten geworden waren. Lackarbeiten bestehen aus vielen Lagen des präparierten Safts des Lackbaums (Rhus vernicifera). Nach dem Aufbringen jeder Lage wird das Objekt in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit getrocknet und anschließend poliert. Reliefs baut man auf, indem man in die untersten Lackschichten Kalk mischt. Für die Goldverzierung wird die Maki-e-Technik angewendet, bei der man auf den nassen Lack Goldpulver streut oder Goldfolie legt. Das Gold sinkt etwas in den Lack ein, und wenn der Lack getrocknet ist, kann er poliert werden. Anschließend wird noch eine transparente Lackschicht aufgetragen, die auch poliert wird.

Schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die VOC (die Niederländische Ostindien-Kompanie) an Lackarbeiten als Handelsobjekt interessiert. Als 1610 die ersten Objekte mit Lackarbeiten eintrafen, stellte sich schnell heraus, dass der Qualitätsunterschied zwischen den chinesischen und den japanischen Objekten sehr groß war. Ab diesem Zeitpunkt zog man Objekte mit japanischer Lackarbeit solchen chinesischen Ursprungs vor. In Nordeuropa kannte man zu Beginn des 17. Jahrhunderts die japanische Lackarbeit noch nicht. Die Preise waren hoch und anfangs bestand wenig Interesse an Lackarbeit-Produkten. Auch wenn japanische Lackarbeiten nie Gemeingut wurden, begann man doch in Nordeuropa damit zu handeln und Amsterdam wurde zum Zentrum des Handels mit Lackarbeiten und anderen orientalischen Luxusgütern.

Solche Kabinette trafen ohne Gestell aus Japan ein. Da der Handel mit japanischer Lackarbeit von der VOC dominiert wurde, gibt es viele Kabinette auf niederländischen Konsoltischen. Japanische Lackarbeit fand seit dem 17. Jahrhundert ihren Weg in die königlichen Paläste und zu anderen vermögenden Menschen in ganz Europa. So ließen unter anderem Ludwig XIII. und Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert japanische Lackarbeit über Amsterdam nach Frankreich kommen. Derartige Möbel waren immer sehr kostbar. Die Produktionskosten waren hoch und der Transport nach Europa war mit Risiken verbunden. Die lange Seereise sorgte zudem dafür, dass der Harz so hart wurde, dass er sich nicht mehr bearbeiten ließ.

Herman August Daendels war der letzte Nachfahre von Herman Willem Daendels (1762-1818). Daendels’ Karriere war gekennzeichnet durch einige opportunistische Entscheidungen, die ihn nach Nordfrankreich fliehen ließen, wo er unter dem Schutz von Ludwig XVI. stand. Als allerdings 1792 mehrere Niederländer von dem neuen Regime hingerichtet wurden, stellte sich Daendels schon bald auf die Seite der neuen Machthaber, indem er seine Glückwünsche nach Paris übersandte.  
Damit begann seine französische Militär-Karriere. Er ging zur französischen Fremdenlegion und wurde zunächst zum Brigadegeneral ernannt und später dann von Napoleon zum Leutnant-General der batavischen Armee. 1807 schickte Ludwig Napoleon ihn als Marschall und Gouverneur-General nach Batavia, wo man Daendels  „un Napoléon en miniature“ nannte und er in drei Jahren das französische Regime aufbaute, die Wohlfahrt verbesserte und sich angeblich selbst zum König krönte. Zum Schluss unterstützte er Napoleon als Divisionskommandant auf dessen Russland-Feldzug.

Literatur:
Japanese Export Lacquer 1580-1850, Oliver Impey, Christiaan Jörg, 2005, p.21-29, p.120-139
Bijdrage tot de kennis der Nederlandsche Oost-Indische bezittingen, Adolphe Philibert Dubois de Jancigny, 1849, p.66-69
 
Provenienz:
Mr. Herman August Daendels (1918-2000), Amsterdam.
Eurasia Antiques, Amsterdam.
Biënnale des Antiquairs, Paris, 1998
Privatsammlung, Belgien
Kabinett mit japanischer Lackarbeit auf einem vergoldeten hölzernen Régence-Konsoltisch
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1690
Material
Japanische Lackarbeit, feuervergoldetes Kupfer, geschnitztes und vergoldetes Holz
Abmessungen
157 x 94 x 52 cm

Weltweite Lieferung möglich


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