×
Home Sammlung Veranstaltungen Über uns Kontakt

Paar Französische Limoges Tafeln mit den Abbildungen „Verrat an Christus“ und „Ecce Homo“ Zugeschrieben Jean I. Reymond



Paar Französische Limoges Tafeln mit den Abbildungen „Verrat an Christus“ und „Ecce Homo“ Zugeschrieben Jean I. Reymond

Diese beiden Emaillebilder sind herausragende Beispiele für die Art und Weise, wie Künstler aus Limoges lokale Quellen nutzten, wenn sie lehrhafte Serien feiner Emaillemalereien schufen. Die Kompositionen Verrat an Christus und Ecce Homo basieren nicht nur auf Holzschnitten von Bernard Salomon in „Figures du Nouveau Testaments“, herausgegeben 1556 von Jean de Tournes in Lyon: Der Emailleur und sein Mäzen trafen zudem die in dieser Form seltene Entscheidung, die dort unter den Abbildungen stehenden sechszeiligen Gedichte von Charles Fontaine vollständig in die Kunstwerke zu integrieren. Die Emaillearbeiten ähneln den Werken von Pierre Reymond (1513–1584), dem produktivsten Emailleur des 16. Jahrhunderts, sehr. Allerdings lässt die Verwendung von Paillons, Metallfoliestückchen, unter der durchscheinenden Emaille an Ärmeln und Taille des Soldaten links von der Verratsszene vermuten, dass einer seiner Söhne, nämlich sein Nachfolger Jean I., dieses Paar gefertigt hat.

Am ehesten lassen sich die vorliegenden Szenen mit Werken im Musée des Arts Décoratifs in Paris und im Taft Museum in Cincinnati vergleichen. Das Museum in Paris beheimatet ein Paar Emaillebilder mit dem Monogramm IR für Jean Reymond. Diese Bilder zeigen den Verrat an Christus und die Kreuzigung, wurden aber im Gegensatz zu Bernard Salomons Darstellungen nach Albrecht Dürers „Die Kleine Passion“ gefertigt und sind mit 29 Zentimetern (Blanc op. cit.) wesentlich größer. In allen Emaillebildern sehen wir Figuren und Gebäude mit unscharfen schwarzen Rändern, Mauerwerk und etwas ernst dreinblickende schmale Gesichter mit weißer Enlevage, was im Kontrast zu den schwarzen Gesichtszügen steht, die im Allgemeinen auf Reymonds Werkstatt hinweisen. Doch auch hier ist zu erkennen, dass unter der durchscheinenden Emaille Metallfolie verwendet wurde, um eine breitere, leuchtendere Farbpalette zu erzielen. Diese Technik wurde anscheinend Mitte des 16. Jahrhunderts von Künstlern der Generation von Pierre Reymond und Leonard Limousin nicht benutzt, war aber sowohl um 1500 als auch um 1600 herum sehr beliebt. Im Gegensatz zu einigen seiner Zeitgenossen setzte Jean Reymond diese Paillons nur sehr sparsam ein, indem er lediglich bestimmte Kleidungsstücke oder Teile von ihnen damit betonte. Was Jean Reymond außerdem innerhalb der Reymond-Werkstatt kennzeichnet, ist der Einsatz von üppigen Vergoldungen: Er nutzt sie in Form einer Kombination aus Linien und Tupfen zur Akzentuierung, aber auch für Waffen, zum Beispiel Lanzen, die sowohl in dem vorliegenden Werk Verrat an Christus als auch in der Pariser Version zu sehen sind. Zwei kleinere Emaillebilder mit Passionsszenen von Jean Reymond befinden sich im Taft Museum in Cincinnati (Verdier, op. cit.). Die Farbgebung dieser Werke ähnelt auffallend der in den beiden Pariser Emaillebildern: Ultramarinblau, Tannengrün und Cognacbraun dominieren die Komposition, die zudem durch Weiß, Vergoldungen und einige Paillons belebt wird. Der Hautton der Figuren ist gelegentlich leicht rötlich. Die Farben, vor allem das Blau, sind absichtlich nicht einheitlich, sondern zeigen eine lebendige Vielfalt, die eine überzeugende Tiefenwirkung erzeugt.

Jean de Tournes (1504–1564) war ein Protestant aus Lyon und eröffnete dort im Jahre 1542 eine Druckerei. Ihm wird die Veröffentlichung einiger der einflussreichsten illustrierten Bücher der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zugeschrieben, darunter Figures du Nouveau Testament (1556), dessen Abbildungen als Vorlage für die hier behandelten Emaillebilder dienten, Äsops Fabeln (1547) und Ovids Metamorphosen (1557). De Tournes hat darüber hinaus die Karriere mehrerer zeitgenössischer Dichter gefördert und für seine französischen Leser die Werke von Dante, Petrarch und Vitruvius herausgegeben. Sein Erfolg und sein Einfluss brachten Jean de Tournes 1559 den Titel Imprimeur du Roi (Drucker des Königs) ein. De Tournes beauftragte normalerweise einen anderen Einwohner von Lyon, den Graveur Bernard Salomon, damit, kleinformatige Illustrationen in dem eleganten manieristischen Stil der Schule von Fontainebleau zu fertigen. Trotz des immensen Einflusses seiner Gravuren und der dokumentierten Aufträge von Ippolito d’Este und König Heinrich II. von Frankreich in den 1540er Jahren ist überraschend wenig über Salomons Leben bekannt.

Inschrift:

SOVZ VN BAISER EN TRAHISON IESVCHRIST FVT LIVRE ET PRIS VIIII CESTOIT LE MIEL SVS LA POISON ET LA FEINTISE EN
LORAISON IVDAS NEN RECEV POVR SON PRIS QVE TRENTE DENIERS TOVT COMPRIS
und:
PILATE AVX CRVELZ IVIFS MONTROIT IESVCHRIT(sic) DISANT VOICY
LHOMME DEPINES COVRONNE ESTOIT ET VN MANTEAU ROVGE
PORTOIT LORS LA COMMVNE VOX EN SOMME MOVRIR PAR LEVR LOIT LE SOMME

Provenienz:
Privat Sammlung, Niederlande

Literatur:
C. Fontaine, Figures du Nouveau Testament, Lyon, 1556, unpaginated; P. Verdier, European decorative arts, cat. The Taft Museum, Cincinnati, New York, 1995, pp. 392-393; M. Blanc, Émaux peints de Limoges, cat. Musée des Arts Décoratifs, Paris, pp. 178-181, no. 45.

Paar Französische Limoges Tafeln mit den Abbildungen „Verrat an Christus“ und „Ecce Homo“ Zugeschrieben Jean I. Reymond
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1590
Material
Emaillemalerei auf Kupfer
Abmessungen
18.3 x 14.3 cm

Weltweite Lieferung möglich