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Französisches Limoges Tafelbild mit der Geburt Christi, Pierre Reymond zugeschrieben



Französisches Limoges Tafelbild mit der Geburt Christi, Pierre Reymond zugeschrieben

Dieses gut erhaltene emaillierte Tafelbild passt perfekt zu einer Reihe kleinformatiger Emailleobjekte, die religiöse Themen zeigen und im Allgemeinen einem der führenden Emailleure aus Limoges, Pierre Reymond (1513–1584), zugeschrieben werden.
Vor allem die Figur des Josef, der in einem Gewand, halb kniend und mit in Anbetung des Kindes gefalteten Händen wiedergegeben wird, hat einen starken Bezug zu einer Gruppe von Tafelbildern mit bogigem oberen Abschluss, die die Heiligen Johannes den Täufer und Hieronymus darstellen und von denen sich ein gezeichnetes Exemplar in der Sammlung Wallace befindet (Higott, op. cit.). Dass Reymond Hand angelegt hat, ist nicht nur an der typischen Körperhaltung des Josef zu erkennen, sondern auch an der Art und Weise, wie die Gesichter gestaltet sind: zum Beispiel an den charakteristischen starken Augenbrauen, die durch den Kontrast zwischen dem unter der Emaille liegenden Weiß und den stechend schwarzen Augen wiedergegeben werden, sowie an dem ganz leicht rosafarbenen Hautton. Typisch für die Arbeit von Reymond ist auch seine Vorliebe für Abbildungen von Gebäuden, die mit weichen schwarzen Linien konturiert und in unterschiedlichen Grau- sowie cognacfarbenen Brauntönen gehalten sind und die sich gegen einen sternenklaren ultramarinblauen Himmel abzeichnen. Beachtenswert ist beispielsweise die Ähnlichkeit mit einer Gruppe von vier Szenen der Passion Christi im Los Angeles County Museum of Art, die Reymond nach Drucken von Dürer gemalt hat und die auf 1535–1540 datiert werden (siehe Caroselli, op. cit., Nr. 5–8).

Drei der oben genannten Tafeln in Los Angeles zeigen zudem ein selten erörtertes Merkmal der Werke Reymonds, nämlich die weltlichen Reliefs, die er in die Architektur von Säulen, Thronen und Grabstätten eingebunden hat. Diese kleinen Phantastereien imitieren die römischen Reliefs, die Reymond und seine Zeitgenossen während der Renaissance für integrale Bestandteile von biblischen Städten wie Bethlehem hielten. In Reymonds Fall handelt es sich um ein oder zwei kühn posierende oder kämpfende Akte, deren schemenhafte Abbildung durch das scheinbar mühelose Spiel von Hell und Dunkel zustande kommt. Im Mittelpunkt des vorliegenden Emaillebildes steht sogar eines der römischen Reliefs und verdeckt teilweise das Jesuskind, ein deutlicher Hinweis auf die Gefahren, denen Jesus auf seinem weiteren Weg ins Auge wird sehen müssen. Ein Paneel, das sich in einer niederländischen Privatsammlung befindet und ebenfalls zwei dieser Reliefs auf Säulen zeigt, wird auf 1543 datiert, was die Idee stützt, dass es ebenfalls entstanden ist, bevor Reymond dazu überging, überwiegend Grisaille-Technik für die Gestaltung von Platten und Gefäßen zu nutzen. Die Methode, die für die Darstellung der Figuren auf den Reliefs eingesetzt wurde, wurde auch bei den Schafen, den Hirten und den Engeln der Verkündigung an die Hirten rechts im Hintergrund angewandt.

Pierre Reymond und die Mitarbeiter seiner Werkstatt waren die produktivsten Emailleure des 16. Jahrhunderts und fertigten Paneele, Platten, Gefäße und Kerzenhalter mit religiösen, mythologischen und allegorischen Motiven. Reymond konnte die große Nachfrage nach Emaille-Arbeiten erfolgreich befriedigen, indem er die Arbeitsweise in seiner Werkstatt revolutionierte, z. B. moderne dekorative Muster mehrfach verwendete, aber auch für die Szenen auf grafische Quellen zurückgriff. Die Qualität seiner Arbeiten war dennoch absolut unübertroffen und bei Sammlern über die Jahrhunderte hinweg äußerst beliebt, von Caterina de’ Medici, Königin von Frankreich, bis hin zu Frédéric Spitzer, John Pierpont Morgan und Henry Walters.

Provenienz:
Privat Sammlung Niederlande

Literatur:
S. Caroselli, The painted enamels of Limoges, cat. Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, 1993, pp. 84-91, nos. 5-8; S. Higott, Catalogue of glass and Limoges painted enamels, cat. Wallace Collection, London, 2011, pp.245-248, no. 69.
 

Französisches Limoges Tafelbild mit der Geburt Christi, Pierre Reymond zugeschrieben
Preis auf Anfrage
Epoche
ca. 1540-1550
Material
Emaillemalerei auf Kupfer
Abmessungen
13.8 x 10.8 cm

Weltweite Lieferung möglich